Archiv für die Kategorie 'Allgemein'

Wir verwenden Planungssoftware unterschiedlichster Art, um die Zukunft zu strukturieren: Projektmanagementsoftware etwa, oder Budgetplanungssoftware. Bei INDAL sind schon verschiedene solcher Planungslösungen entstanden, jüngstes Beispiel ist die Personaleinsatzplanungs-Software SceddyPro. Zumeist verwendet man solche Lösungen für die Planung konkreter Zeiträume: Das Projekt zur Umsetzung eines Entwicklungsvorhabens, das Marketing-Budget fürs nächste Jahr, die Kalkulation von Gebühren oder Tagessätzen für die Zukunft oder den Schichtplan für den nächsten Monat.

Aber damit sind die Möglichkeiten von Planungssoftware längst nicht ausgeschöpft. Mit den meisten Lösungen lassen sich nämlich auch Plan-Spiele durchführen, lässt sich ein Projekt oder ein Planungszeitraum auch simulieren, lassen sich Tests durchführen, wie ein Vorhaben unter Idealbedingungen abaufen wird und was passiert, wenn unvorhergesehene Zwischenfälle wie Krankheit und ähnliches auftreten.

So lassen sich mit einer Projektmanagementsoftware auch verschiedene Szenarien eines Projektablaufplans durchspielen und die Robustheit des Projekts gegen Störungen und Ausfälle lässt sich für verschiedene Varianten testen.

Ein Personaleinsatzplanungs-Werkzeug wie SceddyPro, das auf der Anwendung von Dienstrahmen für unterschiedliche Arbeitszeitmodelle beruht, kann z.B. auch für Simulationsläufe verwendet werden, die zeigen, wie viel Personal bei der Anwendung bestimmter Arbeitszeitmodelle wirklich notwendig ist, und wie etwa in Zeiten der Personalknappheit durch Variation der Dienstrahmen eine verlässliche Anpassung der Planung möglich ist.

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Kultur und Technik

Wir können nicht von der Kultur sprechen, ohne von Technik zu sprechen. Beide Begriffe gehören unauflösbar zusammen, sie sind zwei Seiten des gleichen Phänomens. Der Begriff der „Kulturtechnik“ weist schon darauf hin, dass alle Kultur aus Techniken besteht und dass andererseits durch Kultur das, was wir Technik nennen, erst möglich wird.

Kultur können wir als den regelmäßigen Eingriff von Menschen in die Realität betrachten, sodass Wirklichkeit entsteht, die mit einer Welt zusammenpasst.

Regelmäßig bedeutet dabei zweierlei, zum einen das Regel-Gemäße dieses Eingriffs, also die Tatsache, dass der Eingriff nach vorbestimmten, vereinbarten Regeln erfolgt, zum anderen den wiederkehrenden Charakter des Eingriffs, der immer von Neuem der eindringenden Wildnis Einhalt gebietet.

Ich möchte das mit ein paar Beispielen erläutern: Meinem Weltbild entsprechend, also in meiner Welt, wachsen alljährlich zu bestimmten Jahreszeiten bestimmte Blumen, an denen ich mich erfreuen kann. Diesem Weltbild entsprechend habe ich vor Jahren Blumenzwiebeln in meinem Garten in die Erde gebracht und verschiedene Stauden angepflanzt. So habe ich Wirklichkeit geschaffen. Es ist klar, dass eine ganz konkrete Bedingung dieser Möglichkeit bereits das Vorhandensein anderer kultureller Regeln und mein Eingebundensein in das Wirken dieser Regeln war, z. B. die Möglichkeit, Zwiebeln und Stauden sowie Werkzeuge und Dünger beim Gärtner zu erwerben, sowie die Zuchtprogramme der Pflanzenproduzenten, die sicherstellen, dass klar definierte Sorten von Pflanzen, die für meinen Garten geeignet sind, überhaupt existieren. All diese Regeln sind Bestandteil meiner Welt, die bereits mit meiner Wirklichkeit synchronisiert ist, und diese Synchronisation erfolgt über kulturell geprägte Regeln, die ich mehr oder weniger explizit gelernt habe.

Damit nun tatsächlich in meinem Garten das passiert, was ich erwarte, damit also meine Welt und meine Wirklichkeit auch auf den paar Quadratmetern hinter meinem Haus zusammenpassen, ist einiges zu tun, u. a. muss ich, nach Anweisung des Pflanzenlieferanten, jährlich bestimmten Dünger ausbringen, die Pflanzen zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückschneiden, die Beete von anderem Gewächs, dem so genannten Unkraut, freihalten usw. Ich wende also regelmäßig vorgegebene Regeln an, um in der Wirklichkeit das zu erreichen, was mir in meiner Welt vorschwebt: blühende Schneeglöckchen im Januar, Krokusse im März, Tulpen im April, Rosen im Sommer usw. So entsteht hinter meinem Haus ein Kulturgarten. Jede der Regeln, die ich angewandt habe, war zugleich eine Technik: die Technik des Einkaufens, die Technik des Pflanzens, die Technik der Beetpflege. Nur wenn ich diese Techniken beherrsche, wird aus meinem Garten wirklich ein Stück beherrschtes Land, das auf Zeit der Wildnis entrissen und der Wirklichkeit meiner Kulturwelt einverleibt wurde.

Das Beispiel zeigt sehr schön, dass Kultur als herbeigeführte Übereinstimmung von Welt und Wirklichkeit zwar bestimmte, gewollte Erfahrungen erst ermöglicht, zum Beispiel das Betrachten einer Rosenblütenpracht, die nur durch den gekonnten, technisch perfekten Umgang mit Dünger, Hacke und Rosenschere möglich ist, andere Erfahrungen jedoch ausschließt und verhindert, so zum Beispiel das Durchqueren eines Dickichts aus Rosengestrüpp, Brennnesseln und Quecken. Kultur heißt immer, Ordnung in die Realität zu bringen, denn eine Wirklichkeit, die mit einer Kulturwelt zusammenpasst, ist eine geordnete Welt, die den Regeln gehorcht, die die Kultur ihr vorschreibt. Natürlich gehorcht die Realität auch in dieser kulturellen Wirklichkeit keinen Regeln.

Den Regeln gehorchen immer nur die Menschen, die in die Regellosigkeit der Realität regelmäßig eingreifen, um der Wildnis eine Grenze zu setzen.

In meinem Garten wirkt jedoch auch Realität, die nicht meiner technischen Kontrolle unterliegt. Eine lange Trockenheit im Sommer oder ein harter Frost im Winter können dazu führen, dass trotz aller Regelanwendung nichts aus der Blütenpracht im Garten wird. Ich kann versuchen, meinen Garten davor zu schützen, indem ich zusätzliche Technik anwende: Mit einer Beregnungsanlage kann ich die Trockenheit ausgleichen, dem Frost kann ich mit einer Abdeckung begegnen. Damit kommt der Begriff der Künstlichkeit ins Spiel: Wir sprechen von künstlicher Bewässerung oder von künstlichen Bedingungen, unter denen die Pflanzen den Frost überstehen. Was ist damit gemeint, und wie grenzt sich diese Künstlichkeit von der kulturellen Wirklichkeit ab, die ich z. B. mit dem Begriff Kulturgarten bezeichne?

Auszug aus dem Buch “Kritik der vernetzten Vernunft” von Jörg Friedrich

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Es besteht seit Langem schon die Neigung, das Wissen über die Realität in ordentliche Strukturen von Netzen zu bringen. Spätestens mit der Entwicklung der exakten Wissenschaften in der Neuzeit ist dieses Modell zum grundlegenden Paradigma der Erkenntnis geworden. Wir zerschneiden das real vorgefundene Gewebe der Wirklichkeit, um eine wesentliche Ordnung der Dinge freizulegen, die wir dann als unser Wissen über die Realität bezeichnen – oder schneiden wir vielleicht das Gewebe so zurecht, dass ein ordentliches Kunstwerk entsteht? Jeder kennt das undurchdringliche Gewirr der Äste und Verzweigungen einer wilden Hecke – und jeder kennt auch die kunstvoll geschnittenen Formen, Bögen, Schwünge, die die Gartenmeister aus diesen Hecken gestalten können. Vielleicht ist die Realität, die wir in den letzten Jahrhunderten wissenschaftlich zu verstehen gelernt haben, vor allem die menschlich geformte Wirklichkeit – die diesen Parks und Gärten vergleichbar ist, und über die Geflechte der Wildnis wissen wir ungefähr so viel, wie wir an einer frisch geschnittenen Hecke über einen Urwald herausfinden können.

Ein Beispiel: Was weiß ich über die Form von Schneeflocken? In der Schule habe ich gelernt, dass sie immer sechs Ecken oder Strahlen haben, an denen in schöner Regelmäßigkeit immer feinere Abzweigungen wachsen, sodass Schneeflocken wundervolle symmetrische Gebilde sind. In meinen Lehrbüchern habe ich damals zumeist Strichzeichnungen gesehen. Heute kann ich in der Bildersuche meiner Internetsuchmaschine nach dem Aussehen wirklicher Schneeflocken fahnden. Das Ergebnis ist schön, aber doch ein wenig irritierend. Zwar sind die sechs Ecken und Strahlen der gefundenen Schneeflocken immer gut erkennbar und die Symmetrie ist tatsächlich auch beeindruckend. Aber wenn ich mit kritischem Blick auf die Fotos sehe, ist keine Schneeflocke ganz makellos. Dabei könnte man doch erwarten, dass Menschen nur Fotos besonders schöner, klassischer Schneeflocken ins Netz stellen.

Sollte es wirklich so schwer sein, schön symmetrische Schneeflocken zu finden? Wenn es gerade schneit, während Sie dieses Buch lesen, legen Sie es beiseite und treten Sie vor die Tür. Versuchen Sie unter den Millionen von Flocken, die da herunterfallen, ein paar wirklich symmetrische zu finden. Sicher werden Sie immer die Sechseck- oder Sechs-Strahlen-Form finden, aber wenn Sie ein einziges Exemplar finden, das auch nur so schön symmetrisch ist wie die, die Sie auf den Fotos im Netz gefunden haben, machen Sie bitte schnell ein Bild und stellen es ins Netz, damit wir alle uns daran erfreuen können.

Falls gerade Sommer ist, dann schauen Sie sich statt der Schneeflocken die wirklichen Formen von Blättern oder Schneckenhäusern an. Vergleichen Sie sie mit Darstellungen in Büchern. Auch hier werden Sie, wenn Sie genau hinsehen, schnell feststellen, dass die Wirklichkeit nicht so symmetrisch und gleichmäßig ist, wie unsere mathematisch-geometrischen Beschreibungen es vermuten lassen.

Unser Wissen, das wir zumeist in der Schule und in der Ausbildung, im Studium, durch das Lesen von Sachbüchern und Zeitschriftenartikeln erworben haben, hat die ordentliche, oft hierarchische Struktur eines Netzes, es bildet kein Geflecht mit fließenden Übergängen und kleinen Differenzen. Die unendliche Vielfalt der Realität ist auf klare Begriffe, Kategorien und Definitionen reduziert. Das betrifft nicht nur das Wissen über die Wirklichkeit, die wir Natur nennen, sondern auch unser Wissen über die technischen Dinge, die wir Menschen selbst geschaffen haben, sowie unser Wissen über die Handlungen von Menschen, unsere Vorstellungen über die Institutionen, Unternehmen, Parteien, Fußballclubs usw. Für all diese Phänomene haben wir klare, gut definierte Kategorien parat, wir können sie in gedruckten Lexika oder bei Wikipedia nachlesen, und diese Definitionen sagen uns, wie etwas aussieht, wie es sich verhält und wie es mit anderen Dingen zusammenhängt. Das Netzwerk dieser Kategorien und Definitionen ist mein Wissen.

Auszug aus dem Buch “Kritik der vernetzten Vernunft” von Jörg Friedrich

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Überall, wo Mitarbeiter für wechselnde Schichten eingeteilt werden müssen, scheint Unzufriedenheit “vorprogrammiert” zu sein: individuelle Wünsche können nur manchmal berücksichtigt werden und irgendjemand meint immer, der Plan wäre ungerecht und andere würden bevorzugt behandelt.

Das Problem stellt sich in Kliniken und Heimen genauso wie in Support-Abteilungen und Callcentern. Deshalb haben wir, aus einer Individuallösung heraus, eine neue Lösung gefunden: Ein mathematischer Algorithmus bringt, ganz unabhängig von Emotionen und Befindlichkeiten, den Personalbedarf in möglichst große Übereinstimmung mit den vielen verschiedenen Wünschen und Rahmenbedingungen der Mitarbeiter.

So ist SceddyPro entstanden: der neue Weg zur Dienstplanung, in dem Zufriedenheit der Mitarbeiter “vorprogrammiert” ist. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.sceddy.de

Jörg Friedrich

Wo steckt das Wissen?

Ich war mir völlig sicher, dass mein Notebook im Arbeitszimmer steht. Gestern Abend, das weiß ich, habe ich es ausgeschaltet, zugeklappt und dann habe ich ohne Notebook das Zimmer verlassen. Eben gerade noch hätte ich gesagt, dass ich weiß, dass es dort steht. Nun komme ich ins Zimmer – und es ist nicht da. Ich habe mich geirrt.

Nur über Dinge, die man weiß, kann man sich irren. Mein Wissen zeichnet sich dadurch aus, dass ich daran nicht zweifeln kann, aber andere schon.

Es könnte z. B. sein, jemand hätte mich gestern Abend mit meiner Notebooktasche aus dem Arbeitszimmer kommen sehen. Er vermutet, dass der Computer darin war, und zweifelt deshalb daran, dass das Gerät noch auf dem Tisch steht. Es stellt sich heraus, dass der Zweifel berechtigt war und ich mich geirrt habe. Es könnte auch sein, er selbst hat das Notebook weggeräumt. Dann zweifelt er nicht, er weiß, dass ich mich irre.

Wenn es mir des Öfteren passiert, dass ich vergesse, was ich getan habe (dass ich z. B. das Notebook aus dem Arbeitszimmer mitgenommen habe), dann kann ich an meiner Überzeugung schon zweifeln, ohne dass ich Hinweise darauf hätte, dass sie falsch ist. Das ist dann allerdings ein unbestimmter, nebulöser, unbegründeter Zweifel. Auf bestimmte Überzeugungen verlässt man sich einfach, zum einen auf die Dinge, die man unmittelbar beobachten kann, zum anderen auf die klaren Erinnerungen an eigene Beobachtungen.

Um eigene Erinnerungen zu stabilisieren, benutzen wir Hilfsmittel. Ich könnte mir angewöhnen, von jedem Raum, den ich verlasse, mit meinem Smartphone ein Foto zu machen, das Foto könnte ich auf meinen Web-Space hochladen und damit fast jederzeit und überall überprüfen, ob ich mein Notebook im Arbeitszimmer zurückgelassen habe. Ich könnte an wichtigen Orten sogar eine Webcam installieren und dort nachsehen, ob der Raum sich noch in dem Zustand befindet, wie ich ihn der Erinnerung nach verlassen habe.

Wenn ich so vorgehe, dann beginne ich sozusagen, mein Gedächtnis auszulagern, um meine Zweifel über das, was ich zu wissen glaube, verkleinern zu können. Das haben wir schon immer getan, seitdem wir z. B. Telefonnummern aufschreiben oder Urlaubsfotos in Fotoalben kleben und mit Ort und Datum beschriften, um uns besser erinnern zu können, wann wir wo gewesen sind. Solche Informationen im Netz abzulegen erweitert diese Möglichkeit zunächst nur graduell und nicht qualitativ. Wir können dann also, wenn wir Zweifel an einer Überzeugung aus der Erinnerung haben, auf solche Erweiterungen unseres Gedächtnisses zugreifen, um Zweifel zu zerstreuen oder zu bestätigen.

Ich kann jedoch auch noch einen großen Schritt weitergehen. Ich kann z. B., wenn ich meine Urlaubsbilder ins Album geklebt oder auf meinem Facebook-Account hochgeladen habe, die Detailinformationen einfach vergessen. Es ist zwar gar nicht so leicht, etwas aktiv zu vergessen, aber es macht natürlich einen Unterschied, ob ich mir Informationen eigentlich gut merken will und nur im Notfall auf externe Erinnerungshilfen vertrauen möchte oder ob ich die Informationen von Anfang an mit der Gewissheit aufnehme, dass ich sie sozusagen im Kopf nur so lange zwischenspeichere, bis ich sie extern, sicher, unzerstörbar und nicht fälschbar abgelegt habe. Mein eigenes Gedächtnis, so gut es trainiert sein mag, ist trügerisch und vor allem nicht überprüfbar, nicht einmal durch mich selbst, so könnte man argumentieren, sicher ist nur, was ich irgendwo aufgeschrieben, abgespeichert – verewigt – habe, also ist es gar nicht sinnvoll, sich etwas zu merken. Sinnvoll kann nur sein, alle Informationen sicher und überall abrufbar abzuspeichern und sich lediglich zu merken, wo sie gespeichert sind.

Auszug aus dem Buch “Kritik der vernetzten Vernunft” von Jörg Friedrich

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