Monatsarchiv für November 2007

Für eine erste Visualisierung der Anforderungen an ein System sind Kontextdiagramme hervorragend geeignet. Sie stellen dar, welche Akteure über abgrenzbare Anwendungsfälle mit dem System kommunizieren.

Die Semantik des Kontextdiagramms ist so Überschaubar, dass es in Workshops mit Fachexperten unmittelbar eingesetzt und im Gebrauch erklärt werden kann. Die Workshopteilnehmer können unmittelbar einschätzen, ob das Diagramm ihre Anforderungen richtig wiedergibt und können an seiner Weiterentwicklung direkt mitarbeiten.

Um die Übersichtlichkeit eines Kontextdiagramms zu wahren, sollten zwei Vorgaben beachtet werden:

1. Menschliche Akteure, die mit dem System kommunizieren, werden oberhalb und seitlich vom System dargestellt, während andere Systeme am unteren Diagrammrand aufgereiht werden.
2. Wechselwirkungen von Akteuren untereinander und von Akteuren mit Drittsystemen werden nicht dargestellt.

Jörg Friedrich

Modelle für die Prozessanalyse

Es gibt drei Modellarten, mit denen der prozessahafte Charakter eines Geschäftsvorfalles dargestellt werden kann. Idealerweise werden in der Anforderungsanalyse alle drei Typen eingesetzt. Das ist deshalb sinnvoll, weil der Übergang von einem Modell zum anderen einem Perspektivwechsel bei der Betrachtung eines Gegenstandes vergleichbar ist. Bei jedem Wechsel des Betrachtungsstandpunktes kommen neue Aspekte in den Blick, bereits bekannte werden in neuem Zusammenhang gesehen.
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Jörg Friedrich

Fragetechniken bei der Anforderungsanalyse

Durch die richtige Einordnung des Gespräches in die dargestellten Interviewformen und die Vorbereitung eines entsprechenden Leitfadens oder Fragenkataloges lassen sich die angemessenen Fragetechniken ableiten. Dabei ist zu beachten, dass beim explorativen Interview die Fragen des Analysten in erster Linie der Ermunterung zum Weitersprechen dienen:

  • Können Sie das einmal genauer erläutern?
  • Können Sie mir dafür ein Beispiel geben?
  • Kann man das verallgemeinern oder gibt es auch andere Fälle?
  • Wie gehen Ihre Kollegen mit dieser Situation um?

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Jörg Friedrich

Objektmodelle kommunizieren

Ziel der Anforderungsanalyse ist es nicht nur, zu konsistenten Modellen zu kommen, welche die Anforderungen an das neue Softwaresystem adäquat beschreiben, sondern diese Modelle auch mit den Partnern kommunizieren zu können. Ein Modell ist nur dann praktisch effektiv, wenn alle Partner des Analyseprozesses es verstehen und bearbeiten können.
Es hat sich deshalb als effektiv erwiesen, nicht übermäßigen Gebrauch von Begriffen und Symbolen der Objektorientierten Designverfahren zu machen, insbesondere dann, wenn die Partner aus den Fachabteilungen mit dieser Terminologie nicht hinreichend vertraut sind. Statt immer wieder auf die Existenz von Klassen und Instanzen oder Objekten zu verweisen, sollte konkret über Dokumente und Akteure sowie Über andere Elemente des Systems gesprochen werden.
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Das Ziel der Anforderungsanalyse für Softwaresysteme ist letztendlich die hinreichende Beschreibung von Geschäftsvorfällen, die so noch nicht existieren. Nur, wenn die Struktur eines Geschäftsvorfalles, der von der erst zu entwickelnden Software unterstützt werden soll, bekannt ist, können die Anforderungen an diese Software analysiert werden. Da aber der Geschäftsvorfall in seiner Struktur von eben dieser Software abhängt, bewegen wir uns in einem “Teufelskreis”. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen.
Der Prozess der Anforderungsanalyse für Softwaresysteme ist mehrstufig und umfasst verschiedene Aspekte. Abhängig von den konkreten Rahmenbedingungen kann er unterschiedlich komplex sein. Er umfasst:

  • die Spezifikation der fachlichen Anforderungen
  • die Einordnung in die gesamte IT-Infrastruktur des Unternehmens
  • die Identifikation von Anwendungsfällen und die Ableitung von Testfällen.

Gleichzeitig wird ein Verfahren benötigt, mit welchem sichergestellt wird, das die gefundene Beschreibung vollständig und umfassend ist. Dies kann am ehesten sichergestellt werden, wenn die Geschäftsvorfälle

mehrdimensional analysiert werden, wenn mehrere Ansätze parallel verfolgt werden, die gewissermaßen orthogonal zueinander sind. Ein wichtiges Merkmal für die Vollständigkeit der Beschreibung ist dann die innere Konsistenz der Analyseteile: Jedes Element der Beschreibung innerhalb eines Ansatzes muss sich auch in den anderen Beschreibungsansätzen wieder finden lassen.